Kaum ein Spiel hat die Nintendo Wii so geprägt wie der absolute Party-Klassiker “Wii Sports Resort“. 2009 bin ich zum ersten Mal aus dem Flugzeug über Wuhu Island gesprungen. Der Fallschirm öffnet sich, ich schwebe auf ein Südsee-Paradies zu, in dem ich heute noch unfassbar gerne viel zu viele Stunden verbringe. 17 Jahre später kehre ich erneut nach Wuhu Island zurück, das sich mittlerweile ganz schön verändert hat. “Nintendo Switch Sports Resort“ will der “Sports“-Reihe einen würdigen neuen Eintrag verpassen. Ob das gelingt, erfahrt ihr im Test.
Nachdem “Nintendo Switch Sports“ 2022 den Fokus auf die vollkommen falschen Aspekte legte, orientiert sich der neue Ableger wieder mehr am Original. Das aktuelle “Resort“ ist kein Remake, sondern serviert eine neue Mischung aus (überwiegend) alten Sportarten, die einen frischen Anstrich verpasst bekommen haben. Das Allerwichtigste vorweg: Miis sind zurück! Veteran:innen dürfen sich ebenfalls freuen über die Rückkehr von Tennis, Bowling, Bogenschießen, Boxen, Tischtennis, Basketball, Golf und das Fliegen im Propellerflugzeug. Volleyball hat es dafür als einzige Sportart aus “Nintendo Switch Sports“ in den zweiten Teil auf der Switch geschafft. Brandneu sind hingegen Daumenringen, Skateboarden und Wasserscooter. Aber der Reihe nach.

Credits: Nintendo
Wer die “Sports“-Reihe bereits gespielt hat, weiß, dass sich das Spielprinzip fast ausschließlich um die Bewegungssteuerung der Konsole dreht. Auf der Wii führte das oftmals zu frustrierend-charmanten Ergebnissen (Ich habe ganz bestimmt NICHT 15 Würfe mit meiner Bowlingkugel nach links vorgenommen), die mittlerweile Kult geworden sind. Im Falle der Joy-Con sind einige Bewegungsabläufe allerdings dann doch gestreamlined worden. Kaum einen Unterschied merken werden Spieler:innen bei Golf, Bogenschießen oder Bowling. Beliebte Features wie die geheimen Ziele beim Bogenschießen oder der geheime Schalte beim Bowling sind zurück, und ich habe bisher nicht einen geradeaus fliegenden Golfball gespielt (peak). Angenehme quality of life improvements sind der Wegfall der Ausdauer beim Bogenschießen sowie das gleichzeitige Spielen in diversen Sportarten. Damit geht die Bowlingrunde im Nu vorbei und wir können uns den awkwarden Gang vom Bildschirm zurück zur Couch sparen. Wenn mensch denn möchte. Einzig das Rückwärtswerfen der Bowlingkugel in die Mii-Crowd wird schmerzlich vermisst, tut dem Spielspaß aber natürlich keinen Abbruch.
Einen recht klaren Unterschied beim Spielablauf bemerke ich bei (Tisch-)Tennis, Basketball oder auch Boxen. Insbesondere bei Tennis und Tischtennis kann nicht mehr wild in der Gegend rumgefuchtelt werden, stattdessen entscheidet das Timing über die Richtung und Platzierung des Balls. Die Umgewöhnung geht schnell und hilft auch dabei, das frustrierende Problem zu umgehen, bei dem man den Ball versehentlich mit der falschen Seite des Schlägers trifft. Auch Boxen profitiert von einem besseren Pacing durch die neue Ausdaueranzeige. Einzig die neue Umsetzung von Basketball kann mich nicht überzeugen. Körbe werfen wirkt erschwert durch die weniger sensible Bewegungssteuerung und den Duellmodus auf zwei Charaktere pro Team zu reduzieren, nimmt einem Match einiges an Variabilität. Schade ist auch, dass nur noch der eigene Charakter gesteuert werden kann.
Volleyball dürfte dafür für Neueinsteiger:innen den vielleicht komplexesten Sport darstellen. Das Timing der 4 verschiedenen Bewegungsabläufe kann anfangs tricky sein und insbesondere Spielzüge wie eine Finte sorgen hin und wieder für Verwirrung. Dennoch macht der Einsatz der Joy-Con Lust auf mehr und motiviert zum Trainieren. Das Daumenringen hingegen verläuft äußerst intuitiv und eignet sich perfekt als kleines Duell, um das rivalisierende Feuer untereinander zu entfachen. Dem Schwertkampf auf der Wii kann es jedoch keinesfalls das Wasser reichen, hier fehlen auch definitiv noch weitere Modi.
Das neue Highlight der “Sports“-Reihe findet sich jedoch ganz unten in der Auflistung der Sportarten: Die Hobby-Sports. Hier wird der Fokus auf Entschleunigung gelegt. Wii-Ultras dürften bereits vertraut sein mit dem Propellerflugzeug und dem Rundflug über Wuhu Island. Der schon damals beliebte Spielmodus wurde dermaßen ausgebaut, dass ich gar nicht mehr genug bekomme vom Erkunden des Luftraums über Wuhu Island. In 5 Minuten können beliebig viele Fotospots gesammelt, Missionen abgeschlossen oder einfach Runden gedreht werden. Die Insel ist um einiges gewachsen seit 2009 und sieht toll aus. Allein oder mit anderen kann sich hier lange ausgetobt werden, und das nicht nur in der Luft!

Credits: Nintendo
Skateboarden und Wasserscooter ergänzen die Inselerkundung je zu Land und zu Wasser und liefern zusätzliche Fotospots und Missionen. Für das Skateboarden kommt die Maussteuerung der Switch 2 zum Einsatz und läuft äußerst flüssig, das Lenken zeigt sich als besonders responsive. Beide Modi lassen meine Liebe zu Wuhu Island erneut aufleben, meine Körperhaltung würde es mir allerdings danken, mehr Zeit ins Propellerflugzeug zu investieren.
Ein weiterer neuer und überraschend umfangreicher Aspekt von “Nintendo Switch Sports Resort“ ist die Personalisierung des Spielerlebnisses. Spieler:innen dürfen sich aussuchen, ob sie lieber als Sportsmate oder als Mii antreten möchten, wobei Sportsmates die deutlich größere Auswahl an Customizations zusteht. Jede Woche können unterschiedliche Item-Bundles im Shop erstanden werden, die Währung sammeln wir durch das Absolvieren sportlicher Aktivitäten. Dabei eignet sich meiner Erfahrung nach das Aufwärmen mit dem Seilspringen besonders gut, das ich andernfalls nach dem ersten Mal für immer ignoriert hätte (Die Zerrungen nehme ich in Kauf). Dabei können jedoch nicht nur Accessoires, Klamotten oder Frisuren freigeschaltet werden, auch das Equipment für die verschiedenen Sportarten ist nun anpassbar. Mein persönliches Highlight: Die Bratpfanne für das Tennisspiel, passend vertont mit dem most satisfying KLONK.

Credits: Nintendo
Auch wenn das neue “Resort“ wieder ganz klar für Partyabende mit friends und family gedacht ist, bei denen niemand besondere Skills mitbringen muss, hat sich Nintendo nicht lumpen lassen und einen durchaus herausfordernden Einzelspieler-Modus integriert. Bei der “Inselkrone“ kann in den 9 kompetitiven Sportarten in einer Art Wettbewerb angetreten werden, bei dem es gilt, die Spitze aller 9 Ranglisten zu erklimmen. Wer den oder die Champ des Sports besiegt, trifft sogar auf einige Legenden aus der Wii-Version, ein Traum für alle Fans der älteren Teile!
Auch die Abzeichen sind zurück und teilweise gar nicht mal so leicht zu erringen. Viele Sondermodi aus alten Ablegern haben es ins Spiel geschafft, da könnte Nintendo allerdings ruhig auch noch ein bisschen mehr aufrüsten. Insbesondere Daumenringen verdient mehr Tiefe, gerade bei all der Liebe, die Basketball in “Nintendo Switch Sports Resort“ erfährt.
Fazit: Ich habe meine Erwartungen bewusst niedrig gehalten und bin happy, dass diese übertroffen wurden. Nintendo macht einiges richtig mit seinem neuesten “Sports“-Ableger und trifft ganz besonders mit dem ausgebauten Inselerkundungsmodus bei mir ins Schwarze. Mir fehlen zwar ein paar Sportarten, die ich gerne in neuem Gewand erlebt hätte, allerdings habe ich diese trotzdem noch auf der Wii zur Verfügung, sodass ich mich mit der insgesamt sehr stimmigen Zusammenstellung zufrieden geben kann. Hier und da finden sich noch ausbaufähige Spielmodi und auch die Miis dürfen gerne in Zukunft dieselben Anpassungsmöglichkeiten erhalten wie Sportsmates. Dennoch zeigt sich in “Nintendo Switch Sports Resort“ ein würdiger Nachfolger für den Wii-Klassiker, bei dem viel Liebe ins Detail gesteckt wurde und der mir noch viel Freude mit all den Spielinhalten liefern wird.
P.S.: Brat.Pfanne.
