Ätzende Kämpfe, wunderschöne Grafik – wird Silver Pines zum neuen Silent Hill?

Ist das Eddie Velvet? Credit: Team17

In der ersten Szene erwachen wir als Privatdetektiv Red Walker in einem recht verlassen wirkenden Diner in Silver Pines. Nach einem Telefonat erfahren wir, was wir tun sollen –  nach dem verschwundenen Musiker Eddie Velvet suchen. Der Fall beginnt als vergleichsweise klassische Vermisstensuche. Doch die Stadt wurde wegen eines nahenden Sturms weitgehend evakuiert – und schon bald wird klar, dass der Sturm nicht die einzige Gefahr ist.

Die Erzählung lebt von Andeutungen, verstörenden Begegnungen und einer zunehmend surrealen Stimmung. Walker stößt im Verlauf auf eine weitere verschwundene Frau. Vereinzelt treffen wir auf die Einwohner der Stadt. Doch auch diese scheinen überaus rätselhaft zu sein. Und schnell kommt man auf den Trichter: Auch Silver Pines scheint was zu verbergen zu haben – und wirkt dadurch fast wie ein Trip nach Silent Hill.

So ist das Gameplay von „Silver Pines“

Das Spiel von Entwickler Wych Elm und Publisher Team17 kombiniert 2.5D-Erkundungen mit Survival-Horror-Mechaniken und Metroidvania-Struktur. Nach und nach wird die „Karte“ aufgedeckt und neue Bereiche erkundet. Walker läuft, springt, duckt sich, sammelt Ressourcen und löst dabei auch noch Rätsel. Also eigentlich ein ziemlich cooler Typ.

Das Zurückkehren zu früheren Orten gehört dabei zum Kern der Erfahrung: Eine Brechstange öffnet beispielsweise Wege, die zuvor blockiert waren, während Fundstücke und Notizen alte Rätsel in einem neuen Licht erscheinen lassen. Das Backtracking fühlt sich deshalb selten wie Pflicht an, sondern weckt eher die Neugierde darauf, was man Neues entdecken kann.

Besonders gelungen ist das Spannungsverhältnis zwischen Erkundung und Knappheit. Begrenzter Inventarplatz, Munition, (grüne) Heilkräuter (Grüße gehen raus an Resident Evil) und Geld zwingen zu laufenden Entscheidungen: Kauft man Vorräte oder spart man Münzen für das Speichern an öffentlichen Telefonen? Denn gespeichert wird an Telefonzellen. Auch hier erinnert das Spiel ein bisschen an Silent Hill.

Wie in Silent Hill: Townfall - gespeichert wird an Telefonzellen. Credit: Team17
Wie in Silent Hill: Townfall – gespeichert wird an Telefonzellen. Credit: Team17

Mit einer Polaroidkamera, die man zu Beginn von „Silver Pines“ bekommt, lassen sich zudem Hinweise und besondere Orte markieren. Das macht das Backtracking etwas einfacher, zumal die erwähnte Karte nicht immer unbedingt übersichtlich ist.

Klingt alles zu gut um wahr zu sein?

Und apropos Inventar: Wer schon einmal Resident Evil gespielt hat, kennt sich mit dem ewigen Leid des zu knappen Inventarplatzes aus. „Wie finde ich noch Platz?“, ist also eine gängige und altbekannte Frage. Auch in „Silver Pines“ geht es um eine gute Inventarsortierung und die Frage nach dem Platz. Was nehme ich mit? Was kann erst einmal liegenbleiben? Und wofür brauche ich überhaupt noch eine weitere Limo? Das kann mitunter schon mal nervig sein, wenn dann doch eben genau ein Platz fehlt.

Leider lässt auch die Kampfmechanik etwas zu wünschen übrig. Das Prozedere wirkt eher steif. Vor allem das „Zielen“ wirkt holprig, manchmal lässt sich auch gar nicht so gut erkennen, wohin man genau zielt. Manchmal trifft man dann überraschenderweise. Die Bosskämpfe wirken in Teilen unausgereift – oft hilft plumpes Draufhauen. That’s it!

Zielen und schießen - nicht immer einfach. Credit: Team17
Zielen und schießen – nicht immer einfach. Credit: Team17

Silver Pines, du bist so wunderschön

Auf etwas Negatives, soll etwas Positives folgen, sagt man. Und in diesem Fall ist es die besondere Grafik: Die handgemalten Umgebungen, die Rotoskop-Animationen und der Neo-Noir-Look erzeugen den Eindruck eines begehbaren Graphic Novels. Das macht ziemlich Bock!

Die Kleinstadt ist voller kleiner Details: Motels, Diner, Geschäfte und Straßen wirken melancholisch, verlassen. Sorgfältig gesetztes Licht untermalt die düstere Grundstimmung. Auch der Sound trägt viel bei: Ambientklänge, Radios, Jukeboxen und gezielte Stille machen die Erkundung regelmäßig unangenehm – auf eine gute Art und Weise.

Fazit

Silver Pines ist ein starkes, atmosphärisches Survival-Horror-Abenteuer, das seine Einflüsse kennt, aber daraus etwas Eigenständiges macht. Die Kombination aus Detektivgeschichte, Metroidvania-Erkundung und klassischem Ressourcenmanagement funktioniert außergewöhnlich gut. Definitiv ist das Spiel etwas für Fans von Silent Hill.