Castlevania ist zurück – „Belmont’s Curse“ ist zum Verlieben

Castlevania ist zurück – und wie! Der neue Ableger „Belmont’s Curse“ beweist, dass Konamis lange schlafende Vampirjäger-Serie noch immer über enormes Potenzial verfügt. Mit dem französische Studio Evil Empire als Entwickler wagt sich die Reihe zurück ins klassische 2D-Metroidvania – und verzichtet dabei weitgehend auf die Roguelite-Struktur, mit der das Studio zuvor mit Dead Cells bekannt wurde. Stattdessen erwartet uns eine ausufernde, geheimnisvolle Spielwelt, ein kampflastiges Waffenarsenal und eine düstere Reise durch ein brennendes Paris des Jahres 1499. Doch der Reihe nach.

Worum geht’s in „Belmont’s Curse“?

Die Geschichte von „Belmont’s Curse“ spielt im Jahr 1499 – 23 Jahre nach den Ereignissen aus „Castlevania III: Dracula’s Curse“. Paris versinkt im Chaos: Monster ziehen durch die Straßen, Draculas Fluch breitet sich immer weiter aus. Die Flammen lodern hoch über der Stadt. Es sieht nach Untergang aus. Trevor Belmont, der Dracula einst besiegt hat, macht sich zunächst gemeinsam mit seiner Tochter Rose auf den Weg in die Stadt.

Rose steht dann auch statt Trevor im Zentrum der Geschichte. Rose Belmont bedient sich schon recht bald des Familienerbstücks, der legendären Peitsche. Damit macht sie sich auf den Weg, um erneut Dracula und seinen Schergen den Kampf anzusagen – und gekloppt wird danach auch wieder ordentlich. Auf ihrer Suche nach dem Ursprung des Bösen kämpft sie sich durch die von Monstern überrannten Gebiete.

Was erwartet uns spielerisch?

Spielerisch erwartet euch ein klassisches Action-Metroidvania. Die weitläufige Karte wird nach und nach zugänglich, sobald Rose neue Fähigkeiten erhält. Manchmal muss man auch in bereits erkundete Gebiete zurück. Mit Symbolen auf der Karte lassen sich Markierungen setzen, die zu einem späteren Zeitpunkt wiedergefunden werden können.

Schwingen was das Zeug hält. Credit: Konami Digital Entertainment
Schwingen was das Zeug hält. Credit: Konami Digital Entertainment

Eine zentrale Rolle spielen die „Arcana“. Dabei handelt es sich um Zauber, die Rose von Gegnern erhält. Dazu zählt zum Beispiel ein Wurfkreuz. Von Bossen erhält man noch weitaus mächtigere Arcana – von Medusa etwa den versteinernden Blick. Im Menü erfährt man, was man tun muss, um die jeweiligen Arcana zu verbessern. So muss man für den bereits erwähnten Steinblick unter anderem eine bestimmte Anzahl an Gegnern damit in der Luft treffen, sodass sie beim Aufprall auf den Boden zerspringen.

Die Peitsche lässt sich zudem nicht nur im Kampf einsetzen, sondern auch um sich damit an bestimmten Punkten und Gegnern entlang zu schwingen. Je nach Farbe der jeweiligen Haken geht es dann schwungvoll nach rechts oder links oder eben mit einem kräftigen Zug nach oben. So überwindet Rose Abgründe, erreicht höher gelegene Plattformen und bewegt sich flink durch die Spielwelt. Auch in Kämpfen erweisen sich diese Schwungstellen als hilfreich – und sorgen beim Spieler teils für Schwindel, so rasant geht es mitunter zu.

Durchaus knackige Kämpfe – hier ist Köpfchen gefragt

Dank verschiedener Waffen, Arcana-Fähigkeiten und Relikte lässt sich Rose je nach persönlichem Spielstil ausrüsten. Natürlich dürfen auch Bosskämpfe nicht fehlen – und die sind gewohnt anspruchsvoll. Schon beim ersten Boss „Der Gefallene“ (im englischen „The Fallen“) wird klar – hier kann man nicht einfach drauf los kloppen. Köpfchen ist ebenso gefragt wie das richtige Timing und vor allem schnelle Finger für die Tastenkombinationen. Ausweichen, hüpfen – und drauf! Auch Beobachten hilft – so lassen sich Angriffsmuster erkennen und je nach Fortschritt im Spiel so die Fähigkeiten besser einsetzen.

So kommt man bei „Belmont’s Curse“ zum Ziel. Dennoch ist auch eine gewisse Frustrationstoleranz gefragt – denn das Game ist wie seine Vorgänger nicht unbedingt einfach. Doch auch wer nicht unbedingt eine hohe Frustrationstoleranz mitbringt, dem wird geholfen.

Das Spiel bringt eine erstaunlich hohe Zugänglichkeit mit. So lassen sich im Menü Kämpfe anpassen – etwa indem man den austeilenden Schaden erhöht oder man sich einfach direkt unsterblich macht, weil man einfach nur in die Schönheit des Spiels eintauchen möchte.

Das Menü - hier lässt sich einiges modifizieren, um das Spiel leichter zu machen. Credit: Konami Digital Entertainment
Das Menü – hier lässt sich einiges modifizieren, um das Spiel leichter zu machen. Credit: Konami Digital Entertainment

Wunderschöne Optik – Paris zum Greifen nah

Optisch setzt Belmont’s Curse auf einen farbenfrohen und detailreichen Stil – und gleich zuweilen einem Paris-Städtetrip. Mal ist man auf den Straßen unterwegs, mal sieht man in der Ferne die Kathedrale Notre-Dame, ein anderes Mal geht es in die berühmt-berüchtigten Katakomben.

Willkommen in Paris. Credit: Konami Digital Entertainment
Willkommen in Paris. Credit: Konami Digital Entertainment

Gerade das brennende Paris entfaltet eine eigene Wucht: Rote und gelbe Flammen flackern über Straßen und Fassaden, während die in Brand stehende Notre-Dame eine unheimliche, fast apokalyptische Stimmung erzeugt. Die handgezeichnet anmutenden Hintergründe sind dabei nicht nur Kulisse, sondern geben der Stadt eine bedrohliche Tiefe. Das Spiel wirkt modern, verliert dabei aber nie die düstere, gotische Atmosphäre der Castlevania-Reihe aus den Augen.

Untermalt wird das von einem grandiosen Soundtrack. Die Abschnitte haben unterschiedliche Sounddesigns – und gerade am Anfang fühlt man sich fast wie bei einem kleinen Rave und wippt doch ein bisschen mit zwischen der ganzen Kämpferei. Ein Spiel zum Verlieben.

Fazit

„Belmont’s Curse“ wirkt schnell, fordernd und zuweilen überwältigend. Gleichzeitig sieht das Spiel richtig stark aus. Die bekannten Zutaten der Serie – Vampire, Peitschen, Gothic-Horror und jede Menge Erkundung – bleiben erhalten, werden aber mit einem modernen und eigenständigen Stil neu interpretiert. Castlevania ist zurück – und wie!