Erste Eindrücke von der „Spiel“ in Essen

"Zenith" angespielt.

Am 22. Oktober öffnete die „Spiel“ in Essen ihre Tore – und mit ihr begann für vier Tage das größte Treffen der internationalen Brettspiel- und Gesellschaftsspiel-Szene. Schon in den ersten Stunden zeigte sich, warum die Messe jedes Jahr erneut Fans, Verlage und Händler aus aller Welt in das Ruhrgebiet zieht: Hier wird nicht nur ausgestellt, sondern gespielt und getestet, was das Zeug hält.

Denn Brett- und Gesellschaftsspiele boomen weiterhin. „Mit der Pandemie vor sechs Jahren erlebte unsere Branche einen beispiellosen Hype, der in dieser Dynamik nicht weitergehen konnte“, so Herrmann Hutter, Vorstandsvor­sitzender der Fachgruppe Spieleverlage e.V. in einer Mitteilung des Deutschen Verbandes der Spielwarenindustrie (DVSI). Doch die Entwicklung der letzten beiden Jahre zeige, so Hutter weiter, dass der Trend zu Spielen ungebrochen sei.

Den Wachstum merkt man auch in den Zahlen: die Messe ist in diesem Jahr größer als je zuvor. Zum ersten Mal ist Halle 8 ebenfalls belegt. Insgesamt stehen laut Messe rund 81.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung. Der Veranstalter rechnet mit bis zu 230.000 Besucherinnen und Besuchern an den vier Messetagen – ein möglicher neuer Rekord. Im vergangenen Jahr waren es gut 10.000 Menschen weniger. Mit der Messe wächst die Zahl der Aussteller: Waren es im Vorjahr 948, kratzt das Event in diesem Jahr mit 997 deutlich an der 1000er-Marke. Auf die Aussteller kommen dann noch einmal knapp 1900 Spiele-Neuheiten. Ebenfalls rekordverdächtig.

Halle 3 ist viel zu voll

Nicht ganz so rekordverdächtig: Trotz mehr Platz, gibt es wieder die Knotenpunkte – vor allem in Halle 3, wo große Aussteller wie Pegasus, CGE, Feuerland Spiele, Frosted Games und Queen Games vertreten sind, ist es brechend voll. Teilweise musste man sich nicht selbst bewegen – der Schieberhythmus der anderen brachte einen vorwärts. Gleichzeitig bildeten sich an Ständen von Pegasus und Co. lange Schlangen. Schlangenmanagement aber teilweise Fehlanzeige. Wer also ein Spiel vor Ort ergattern wollte, musste teilweise richtig Geduld mitbringen.

An anderen Ständen war das Problem, dass beliebte Spiele schnell ausverkauft waren. Wer gerne „Eternal Decks“ von Strohmann Games kaufen wollte, musste direkt bei Toresöffnung zum Stand rennen oder guckte sonst in die Röhre. Memo für das nächste Mal: Messe-Pickup vorbestellen.

Ein Minus sind wie oft auf Messen auch die Essens- und Getränkepreise. Knapp vierzig Euro für zwei Cola und zwei mickrige Burritos sind schon ein stolzer Preis. In Brettspielen gerechnet bekommt man dafür schon ein ganz ordentliches.

Doch es ist gibt auch viel schönes: Und das sind die Momente, an denen man ins Spielen kommt. Überrascht hat uns etwa das Spiel „Zenith“. Darin geht es um einen strategischen Machtkampf um die Vorherrschaft im Sonnensystem. Menschen, Roboter und Animods leben in einer fernen Zukunft zusammen, doch ihre Gesellschaft ist durch den Kampf um Zenithium angespannt. Ziel ist es, Einfluss auf fünf Planeten – Merkur, Venus, Erde, Mars und Jupiter – zu gewinnen und letztlich die Kontrolle über den galaktischen Senat zu sichern. Das Spiel kann zu zweit oder zu viert (in einem 2 gegen 2) gespielt werden. Das Spiel funktioniert wie ein taktisches Tauziehen. Über eine Leiste mit Einfluss-Scheiben versucht ihr durch das geschickte Ausspielen von Handkarten, die Planeten in eure Richtung zu ziehen – und zu viert macht das ziemlich viel Spaß. Ein ziemlicher Zufallstreffer in diesem reichhaltigen Angebot an Spielen.

Auffällig ist in diesem Jahr der Trend zu Partyspielen und Social Games – Titeln, die schnell erklärt sind, viel Interaktion erzeugen und vor allem gemeinsam Spaß machen sollen. Dazu kommen viele Ideen rund um Natur, Reisen und Fantasiewelten, aber auch neue Versionen und Erweiterungen bekannter Klassiker.

Die Messe in Essen geht noch bis Sonntag, 25. Oktober. Für den Sonntag gibt es noch Karten, Samstag ist bereits ausverkauft.